Foto: Martin Zeller, baubüro in situ

Schule aus zweiter Hand: Erweiterung in Uster setzt auf Re Use

Published On: 29. April 2026

Wie lässt sich Bildungsbau ressourcenschonend erweitern, ohne neu zu bauen? Ein Projekt in Uster zeigt, welches Potenzial in der Wiederverwendung bestehender Strukturen steckt. Für die Erweiterung der Kantonsschule Uster haben baubüro in situ bestehende Module reaktiviert und zu zwei Schulgebäuden weiterentwickelt.

Die beiden Gebäude bestehen aus insgesamt 80 vorgefertigten Modulen, die bereits eine Nutzungsgeschichte mitbringen: Ursprünglich dienten sie der Berufsfachschule Uster als temporäres Schulquartier, bevor sie nun erneut aktiviert und weitergebaut wurden. Statt eines Neubaus setzt das Projekt konsequent auf Weiterbauen im Bestand und zeigt, wie selbst Interimslösungen langfristig architektonische Qualität entwickeln können.

Raumqualität aus dem Provisorium 

Die beiden Gebäude ergänzen den bestehenden Campus um zusätzliche Unterrichtsräume und Gemeinschaftsflächen. Charakteristisch sind vorgelagerte, unbeheizte Holzanbauten, die als Veranden, Klimapuffer und flexible Lernzonen fungieren. Durch ihre versetzte Anordnung lösen sich die Neubauten bewusst vom Raster der bestehenden Containeranlage und schaffen eigenständige räumliche Qualitäten.

Was als temporäre Infrastruktur begann, wird so zum Beispiel dafür, wie aus modularen Systemen dauerhafte und qualitätsvolle Bildungsräume entstehen können, mit vergleichsweise geringem Ressourceneinsatz.

Foto: Martin Zeller, baubüro in situ

Zirkuläres Bauen mit regionalem Re Use 

Besonders konsequent ist der zirkuläre Ansatz in der Materialwahl: Zahlreiche Bauteile stammen aus Rückbauprojekten in der Region, von Stahlträgern und Fenstern bis zu Türen, Leuchten und Gitterrosten. Gemeinsam mit dem Planungsbüro Zirkular wurden Materialien in einem regionalen Radius wiederverwendet und in das Projekt integriert. Damit wird Re Use nicht nur konstruktiv, sondern auch logistisch als lokale Praxis gedacht.

Auch die Gebäudehülle erzählt davon: Eine neue Holzrahmenkonstruktion umhüllt die Container und verbessert ihre energetische Performance. Die Fassade aus wiederverwendeten Trapezblechen interpretiert mit ihren farbigen Streifen die sogenannten Warming Stripes und macht den Klimawandel unmittelbar ablesbar. Architektur wird hier nicht nur ressourcenschonend gedacht, sondern zugleich zum Träger einer ökologischen Erzählung.

Foto: Martin Zeller, baubüro in situ

Lernort für die Bauwende 

Das Projekt zeigt exemplarisch, dass Wiederverwendung im Bildungsbau weit über Materialeinsparung hinausgehen kann. Aus einem Provisorium wird ein langfristiger Beitrag zur Bauwende, mit zirkulären Strategien, regionalen Stoffkreisläufen und einer neuen Wertschätzung für das Vorhandene.

Gerade im Schulbau, wo oft unter Zeit und Kostendruck geplant wird, liefert Uster einen spannenden Impuls dafür, wie Umbau, Re Use und architektonische Qualität zusammenkommen können.

Dieser Text basiert auf einem redaktionellen Beitrag von BauNetz Meldungen.

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