
foto: dpr-barcelona.
Buchtipp: Architecture is Climate
Das Forschungskollektiv Mould fordert in seiner neuen Publikation einen grundlegenden Perspektivwechsel der planenden Disziplinen. Nicht was Architektur gegen den Klimakollaps tun kann, sondern was der Klimakollaps mit Architektur macht – so lautet die Leitfrage von „Architecture is Climate“, erschienen bei dpr-barcelona. Verfasst haben es Anthony Powis, Tatjana Schneider, Christina Serifi, Jeremy Till und Becca Voelcker. Der Titel greift ein grundlegendes Selbstverständnis an: Sich auf technologische Lösungen zu beschränken, packt die Probleme nicht an der Wurzel.
Die Publikation entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Architecture after Architecture: Spatial Practice in the Face of the Climate Emergency“, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem britischen Arts and Humanities Research Council. In acht Kapiteln – zu Wissen, Ökonomie, Land, Ressourcen, Infrastruktur, Arbeit, Politik und Kultur – analysiert das Kollektiv, wie Architektur zum Motor extraktiver Ökonomien wurde. Land sei kein neutraler Baugrund, sondern politisch umkämpft, Baumaterialien resultierten aus globalen Extraktionsketten mit ökologischen und sozialen Konflikten, und Infrastrukturen stabilisierten die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen.
„Grüner Kapitalismus“ und „Nachhaltige Architektur“ könnten die bestehenden Missverhältnisse nicht erschüttern, so die These. Stattdessen fordern die Autor*innen ökonomische Praktiken, die Fürsorge, Kreisläufe und Suffizienz priorisieren. Am stärksten ist das Buch dort, wo es Begriffe entmystifiziert und blinde Flecken sichtbar macht. Vorschläge für konkrete Handlungsschritte lässt es bewusst aus. Wer dennoch weiterführende Projektbeispiele sucht, kann die begleitende Webseite konsultieren.
Architecture is Climate
MOULD (Hg.)
Englisch
207 Seiten
dpr-barcelona, Barcelona 2025
ISBN 978-84-128922-8-4
18 Euro
Dieser Text basiert auf einem redaktionellen Beitrag von BauNetz Meldungen.

