Markuskirche in Essen mit Rauminstallation „Arca“ von Pele Collective, Foto: © Manifesta 16 Ruhr / Rainer Schlautmann

In der Kirche liegt der Strand: Kunstbiennale Manifesta 16 Ruhr nutzt verwaiste Gotteshäuser um

Published On: 10. Juli 2026

Die europäische Wanderbiennale Manifesta ist in diesem Jahr im Ruhrgebiet zu Gast. Unter künstlerischer Leitung des katalanischen Architekten und Stadtplaners Josep Bohigas werden noch bis zum 4. Oktober 2026 zwölf ehemalige Kirchen in Essen, Gelsenkirchen, Bochum und Duisburg mit Ausstellungen und künstlerischen Interventionen bespielt. Angesichts des zunehmenden Leerstands von Sakralbauten bei gleichzeitigem Mangel an inklusiven sozialen Treffpunkten fragt die Biennale: Wie können aus ehemaligen Zentren des Glaubens neue Zentren der Gemeinschaft werden? 

Da sich die Manifesta nicht allein als Kunstfestival versteht, sondern auch kreative Impulse für die Stadtentwicklung in den teilnehmenden Städten und Regionen geben will, geht ihr stets ein zweijähriger Rechercheprozess voraus, um die konkrete Situation vor Ort zu verstehen. Dieser mündet sowohl in eine entsprechende urbane Vision als auch in ein konkretes Konzept für die mehrmonatige Präsentation der Ausstellungen. 

Kirche St. Ludgerus in Bochum mit Rauminstallation „FailAgainFailBetter“ von CaboSanRoque Collective, Foto: © Manifesta 16 Ruhr / Rainer Schlautmann

Im Ruhrgebiet will die Manifesta unter dem Motto „Das ist keine Kirche" experimentell erproben, wie obsolet gewordene Kirchengebäude mit neuen Nutzungen dem Gemeinwohl dienen können. Die sogenannten Pantoffelkirchen – so nah gelegen, dass ihr Besuch theoretisch in Hausschuhen möglich wäre – schossen vor allem in der Nachkriegszeit in der schnell wachsenden Industrieregion wie Pilze aus dem Boden. Entworfen von Architekten wie Gottfried Böhm, Rudolf Schwarz, Hans Scharoun oder Otto Bartning zeichnen sie sich durch eine moderne Gestaltung, menschlichen Maßstab, klare Geometrien und experimentelle Lichtchoreografien aus. 

Mittlerweile werden viele dieser Bauten nicht mehr gebraucht, einige wurden bereits umgenutzt, anderen steht der Abriss bevor. Die Manifesta veranschaulicht an ihren kostenfrei zugänglichen Ausstellungsorten, welch großes Nutzungspotenzial gerade diese Nachkriegskirchen bieten. Das Spektrum der Ideen reicht dabei vom klassischen Nachbarschaftstreff über Sportangebote, Musikhalle und Teegarten bis zum kühlen Hitzeschutzort. 

Dieser Text basiert auf einem redaktionellen Beitrag von BauNetz Meldungen.

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