
Siedlung Brunnadern in Bern von Atelier 5 (1970). Foto (aktuell): Bildarchiv Atelier 5
Endlich wird Bestand ausgezeichnet: Shortlist des neuen REAR Award 2026
Der erstmals ausgeschriebene REAR Award 2026 würdigt Gebäude, die sich über Jahrzehnte bewährt haben. Der Preis wird in zwei Kategorien vergeben: Architekturen, die älter als 25 Jahre sind, und Architekturen, die in den vergangenen 25 Jahren umgebaut wurden. In diesem Beitrag steht die 26 Projekte starke Shortlist der ersten Kategorie im Fokus.

Feuerwehr und Kulturhaus in Hittisau von Cukrowicz Nachbaur Architekten (2000). Foto (aktuell): Adolf Bereuter
Während Architekturpreise meist frisch fertiggestellte Projekte feiern, lenkt der REAR – Reflect Architecture Award den Blick auf das, was über Jahrzehnte funktioniert hat – und damit auf eine Qualität, die sich erst im Gebrauch erweist. Robustheit, Anpassungsfähigkeit und gestalterische Beständigkeit werden so zu zentralen Bewertungskriterien. „Manche Bauten haben vielleicht einen zeitgenössischen Reiz, funktionieren aber über die Lebensdauer schlechter als andere“, so Architekt Fabian Onneken (KO/OK), der den Preis zusammen mit Publizistin Katharina Benjamin (Kontextur) und Grafikdesigner Patrick Martin (HLA Studio) ins Leben gerufen hat.
Der REAR Award 2026 – die namensgebende erste Kategorie des neuen Preises – zeichnet Gebäude aus, die bis Ende des Jahres 2000 entstanden sind. Die zweite Kategorie namens REAR Transformation würdigt Umbauprojekte, die bis Ende 2025 abgeschlossen wurden. Damit rückt der Preis nicht nur den Bestand an sich in den Mittelpunkt, sondern auch dessen Anpassung an heutige Anforderungen. Für die Diskussion um die Bauwende ist dieser Fokus relevant: Wer nach langlebigen Strukturen fragt, findet zugleich Beispiele für ressourcenschonende Baupraxis.
So findet Benjamin denn auch, dass sie „eine Lücke in der bestehenden Preislandschaft gefunden haben“. Ziel sei es, eine „Vielzahl an beständigen Architekturen“ sichtbar zu machen. 154 Einreichungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gingen ein. 42 Gebäude setzte die Jury auf die Shortlist des Transformation Award, 26 auf die des REAR Award. Zur Jury gehören neben Benjamin und Onneken zudem Thomas Auer (Transsolar), Lucia Gratz (ICOMOS Suisse) und BDA-Präsident Alexander Poetzsch.
Auf der Liste stehen weithin bekannte Architekt:innen genauso wie so manche Überraschung, was besonders erfreulich ist, scheint die Fachwelt diese Bauten doch einstmals nicht bemerkt zu haben. Umso schöner, dass sie nun als Vorbild nachhaltigen Bauens – im Wortsinn – eine Bühne bekommen. Denn woraus ließen sich bessere Rückschlüsse für die Planung ziehen als aus dem Bestand? Welche Konstruktionen trotzen der Witterung, welche Räume haben Nutzer*innen wirklich angenommen, sind Reparaturen und unkomplizierte Baupflege möglich?
Die Gewinner wird die Jury im Juni bekanntgeben. Die prämierten Projekte sollen von Sebastian Schels neu fotografiert werden und eine Audio-Reportage über die Hintergründe der Bauten, ihrer Planung und den Nutzer:innen bis heute erhalten.
Dieser Text basiert auf einem redaktionellen Beitrag von BauNetz Meldungen.
BauNetz ist Medienpartner des REAR – Reflect Architecture Award 2026.



