
Foto: Hotel Welschen Zermatt
Hotel in Zermatt kombiniert Denkmalschutz und Photovoltaik mit Solarziegel
Das Hotel Welschen in Zermatt hat im Zuge einer umfassenden Sanierung ein gebäudeintegriertes Photovoltaiksystem erhalten, das die lokalen Bauvorschriften erfüllt und gleichzeitig Solarenergie erzeugt. Das Projekt zeigt, wie sich energetische Modernisierung und alpine Baukultur miteinander verbinden lassen.
Tradition trifft Energiewende
Das fast hundertjährige Familienhaus in Zermatt wurde 1990 zum Hotel umgebaut und zuletzt zu einem Vier-Sterne-Betrieb weiterentwickelt. Die 2023 gestartete Sanierung verfolgte von Beginn an einen doppelten Anspruch: die historische Ästhetik des Gebäudes zu erhalten und gleichzeitig Energieeffizienz und Umweltbilanz deutlich zu verbessern.
Zermatt stellt dabei besondere Anforderungen. Das Bau- und Zonenreglement schreibt vor, dass Dächer mit Steinplatten, Schiefer oder schieferähnlichen Materialien gedeckt sein müssen. Metallische oder bituminöse Abdeckungen sind ausgeschlossen. Für konventionelle Photovoltaikanlagen wäre das eine unüberwindbare Hürde.
Gebäudeintegrierte Photovoltaik als Lösung
Zum Einsatz kamen Glas-Glas-Solarziegel von SunStyle, deren strukturierte, überlappende Optik traditionellen Steindächern nachempfunden ist. Die rautenförmige Gestaltung orientiert sich an der historischen Dachlandschaft der Alpenregion und entspricht damit den behördlichen Vorgaben. Die Anlage umfasst 665 Quadratmeter Dachfläche mit 1.116 aktiven Solarziegeln, verteilt auf fünf Dachsegmente, bei einer Systemleistung von 82,4 Kilowatt-Peak.
Hoteleigentümer Cyrill Welschen berichtet, dass das System in der ersten Saison zeitweise einen erheblichen Teil des Strombedarfs gedeckt habe. Das Feedback der Gäste sei durchweg positiv: Viele zeigten sich überrascht, dass Solarenergie so unauffällig integriert werden könne.
Frühzeitige Einbindung als Erfolgsfaktor
Das Projekt verdeutlicht auch die planerischen Herausforderungen, die gebäudeintegrierte Photovoltaik mit sich bringt. Bei älteren Gebäuden sind Bestandspläne häufig unvollständig oder fehlerhaft, sodass vor der Planung aufwendige Vermessungen notwendig werden. Selbst Abweichungen von zehn bis zwanzig Zentimetern können darüber entscheiden, ob eine zusätzliche Modulreihe auf einer Dachfläche Platz findet.
Hinzu kommt die Abstimmung zwischen Architektur, Statik und Elektroplanung. Beim Hotel Welschen verlief die Zusammenarbeit zwischen Hersteller, dem ausführenden Installationsbetrieb Gattlen Gebäudetechnik und dem Bauherrn nach Angaben der Beteiligten reibungslos. Installateur Jan Gattlen beschreibt das Ergebnis als überzeugend und hebt hervor, dass sich die Solardächer gut in die typische Dachlandschaft Zermatts einfügten.
Signal für den alpinen Raum
Zermatt gilt seit Jahren als Vorreiter im nachhaltigen Tourismus. Die autofreie Gemeinde ist als Energiestadt zertifiziert, betreibt rein elektrische Taxis und Busse und verfügt über ein ausgeprägtes Recyclingkonzept. Das Sanierungsprojekt des Hotel Welschen ordnet sich in diese kommunale Strategie ein und ist Teil der Swisstainable-Zertifizierung des Schweizer Tourismusverbands.
Für Planende und Architektinnen stellt das Projekt ein Referenzbeispiel dar, wie BIPV-Systeme auch unter strengen denkmalpflegerischen und ortsbildbezogenen Auflagen realisiert werden können. Entscheidend dafür ist neben der Technologie vor allem die frühzeitige Einbindung aller Fachbeteiligten in den Planungsprozess.


