Foto: Tim Gebhardt

Alternative zum Abriss: Zum Ringen um das SEZ in Berlin

Published On: 13. März 2026

Ursprünglich sollte am 2. März 2026 der Abriss des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin starten. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) plant, an Stelle des DDR-Erbes rund 500 Wohnungen zu bauen. Nun hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg einen Abrissstopp verhängt – und eine Alternative ins Spiel gebracht.

Das SEZ wurde 1981 nach Entwürfen eines schwedischen Architektenteams unter Leitung von Erhardt Gißkes errichtet. In der DDR war es ein zentraler Ort des Alltagslebens: Tausende Besucher*innen trafen sich täglich in Schwimmhallen, beim Schachspielen oder auf Rollschuhbahnen. Nach der Wiedervereinigung verkaufte Berlin das Haus an einen privaten Investor, der es trotz Vereinbarung zum Erhalt abreißen wollte. 2022 holte sich das Land die Immobilie vor Gericht zurück – nur um kurz darauf selbst den Abriss zugunsten von Wohnungsbau zu verkünden.

Schon seit den ersten Abrissplänen sprechen sich Fachleute, Umweltverbände und Initiativen für den Erhalt aus. Die Architektenkammer Berlin forderte 2024, „Wege der Bewahrung, Sanierung, nachhaltigen Ertüchtigung und behutsamen baulichen Ergänzung auf dem Grundstück zu suchen.“

Im Dezember 2025 veröffentlichte die WBM das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, aus der Stefan Forster Architekten als Sieger hervorging. Der Entwurf sieht den Abriss des SEZ und eine sechsgeschossige Blockrandbebauung mit zehngeschossigem Hochpunkt vor. Demgegenüber schlugen 03 Arch. (München) vor, die Wohnungen in Hochhäusern im hinteren Grundstücksbereich unterzubringen und dadurch einen Großteil des SEZ zu erhalten. Einen Realisierungswettbewerb wird es allerdings nicht geben.

Foto: Gregor Harbusch

Den Abrissstopp begründeten Bezirksamt und Baustadtrat Florian Schmidt mit artenschutzrechtlichen Bedenken – im Gebäude nisten Fledermäuse und Kleinvögel. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann stellte zugleich einen Alternativentwurf des Bündnisses „SEZ-Quartier neu denken“ vor: Drei Hochhäuser im hinteren Grundstücksbereich sowie ein auf den Seitenflügel aufgesetztes Gebäude würden Platz für 500 Wohnungen schaffen, während das SEZ für öffentliche Nutzungen erhalten bliebe. „Bisher wurde im Verfahren nie geprüft, ob Bestandserhalt nicht vielleicht Vorteile hätte“, sagt Susanne Lorenz vom Bündnis.

In den kommenden Wochen wollen sich Bezirksamt, Senatsverwaltung und WBM einigen. Der Bezirk rechnet damit, dass die Abrissarbeiten bis Oktober pausiert werden können. Bis zur Wiederaufnahme sei eine unabhängige Studie des Bezirks möglich, sollte man sich nicht einigen können. Diese könnte der neuen Landesregierung als Entscheidungsvorlage dienen. Denn im September wählt Berlin einen neuen Senat.

Dieser Text basiert auf einem redaktionellen Beitrag von BauNetz Meldungen.

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