
Lehmsteine – Made in Berlin“ (Manuel Rademaker für earthbound, 2026)
250 Tonnen Berliner Aushub, 20.000 Lehmsteine: Baustoff aus dem Boden
Was passiert, wenn der Boden einer Berliner Baustelle nicht zum Abfall wird, sondern zum Baustoff für die nächste?
Baustellenaushub gilt bisher meist als Entsorgungsproblem: teuer im Abtransport, aufwendig in der Deponierung und kaum als Ressource mitgedacht. Dieses Projekt dreht den Blick um: 250 Tonnen Aushub von Berliner Baustellen wurden analysiert, aufbereitet und zu tragfähigen Lehmsteinen verarbeitet. Das Ergebnis ist ein nach DIN geprüfter und zugelassener Lehmstein aus Berliner Baustellenaushub. Damit wurde erstmals im großen Maßstab gezeigt, dass lokaler Aushub nicht nur theoretisch, sondern auch normgerecht und praktisch als Baustoff genutzt werden kann.
Der Weg dahin war kein Selbstläufer. Bodenzusammensetzung, Korngrößenverteilung und Tonanteil schwanken von Baustelle zu Baustelle. Erst durch systematische Aufbereitung und Prüfung ließ sich daraus ein Material mit verlässlichen Eigenschaften entwickeln.
Nun sollen erste Projekte den Materialkreislauf in die gebaute Realität übersetzen. Gesucht werden Architektinnen, Planerinnen und Bauherr*innen, die mit einem lokal verfügbaren Baustoff konkret zirkuläres Bauen umsetzen wollen.
Was lässt sich damit bauen?
Ob als Rückwand im Empfangsbereich eines Foyers, als Wand eines Konferenzraums im Co-Working-Space oder Büro, als Trennwand zwischen zwei Klassenzimmern oder als Ruheraum in einer Kita: Der Lehmstein lässt sich schon heute in unterschiedlichen Innenräumen einsetzen.
Stille Wände
Tragend oder nicht tragend: Die hohe Rohdichte des Lehmsteins sorgt für guten Schallschutz und eignet sich für Trennwände in Wohnungen, Büros oder anderen Innenräumen.
Wetterfeste Hülle
Mit Dämmebene und äußerer Schalung lässt sich der Lehmstein auch im Außenwandaufbau einsetzen. Seine hohe Speichermasse unterstützt dabei den sommerlichen Wärmeschutz.
Sichtbar tragend
Im Innenraum kann der Stein unverkleidet eingesetzt werden. Die Oberfläche bleibt sichtbar, Materialität und Herkunft werden unmittelbar erfahrbar. Für tragende Wände gilt die Zulassung der Lehmsteine bis zur Gebäudeklasse 4.
Ein Material. Ein Kreislauf.
Den passenden Lehmmauermörtel gibt es aus demselben Material direkt dazu. Stein und Mörtel bleiben materialhomogen und lassen sich beim Rückbau gemeinsam aufbereiten – ohne aufwendige Trennung unterschiedlicher Baustoffe.
Das Mauerwerk kann so vollständig in den Lehmbaustoff-Kreislauf zurückgeführt werden: vom städtischen Boden zum Baustoff und vom Baustoff wieder zurück zum Boden.
Die erste Herausforderung haben wir gelöst. Jetzt ist die nächste dran: Was baut ihr daraus?
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