Bild: Forschungshaus 4. Foto: Sebastian Schels

Lehm und Holz, ein kongeniales Paar: Forschungshäuser 4 und 5 von Florian Nagler Architekten in Bad Aibling

Published On: 24. August 2026

Die Forschungshäuser 4 und 5 in Bad Aibling sind fertig. Das Team um Florian Nagler Architekten hat sich vorgenommen, die Ökobilanz der ersten Generation zu übertreffen – mit einem ganzen Arsenal an Holz-, Lehm- und Hybridbauweisen. Und noch weniger Beton. 
 
Das Münchner Büro initiierte 2018 gemeinsam mit der TU München im B&O Bau ForschungsQuartier das Projekt „Einfach Bauen“. Nach den drei ersten Forschungshäusern stellten sie 2023 Haus 4 fertigkürzlich folgte Nummer 5. Verglich die erste Generation Holz, Beton und Ziegel, setzt die zweite auf Holz-Lehm-Hybride. Das Beste aus zwei Welten, wie Nagler sagt. Denn Holz überzeugte bei Heizenergie (30–40 kWh/m²a) und Kreislauffähigkeit.  Schlechter performte es in Sachen sommerlicher Wärmeschutz – hier soll nun Lehm die fehlende thermische Trägheit ausgleichen.

Bild: Forschungshaus 5, Holz-Lehm-Massivdecke. Foto: Matthias Aust

Was die Ökobilanz angeht, hat Haus 4 bereits geliefert. Seine grauen Emissionen sind auf lediglich 7 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Quadratmeter und Jahr (auf 50 Jahre gerechnet) reduziert – konventionelle Mehrfamilienhäuser verursachen 16–18 KilogrammVor allem die Gebäudetechnik ist im Sinne des Gebäudetyp-e reduziert: Bäder an der Außenwand ersparen die Abluft, zwei Wärmetauscher pro Sanitärstrang statt einzelner Warmwasserbereiter, weniger Steckdosen, keine elektrischen Klingeln an den WohnungstürenZumindest letzteres finde bei den Bewohner*innen keinen Anklang, räumt Achim Mantel (Forschung und Entwicklung, B&O Bau) ein.  
 
Die Baukosten liegen pro Quadratmeter Wohnfläche sogar niedriger (2.250 Euro) als bei der ersten Generation, was nicht zuletzt den effizienten Grundrissen mit 88 Prozent Wohnflächenanteil zu verdanken ist. Obwohl die tragenden Innenwände dicker wurden. Im Erdgeschoss bestehen sie aus 51 Zentimeter starken wiederverwendeten Ziegeln, darüber aus ungebrannten Lehmsteinen mit etagenweise abnehmender Dicke. Die Außenwände sind hingegen schlanker geworden. Sie kombinieren vernutete Vollholzstiele mit aufgenagelten Baudielen, Hanf-Jute-Dämmung und Fichtenschalung. Den Beton in den Decken ersetzen Brettsperrholz, Splitt, Trockenestrich und Holzdielen. 

Bild: Forschungshaus 5. Foto: Matthias Aust

Haus 5 testet gleich drei Deckentypen gegen eine herkömmliche Referenz aus Stahlbeton: eine Holz-Lehm-Massivdecke nach dem Vorbild historischer Stakendecken mit gegossener Lehmfüllung, eine rezyklierbare Holz-Beton-Verbunddecke sowie eine Betonrippendecke mit eingelegten Resthölzern der Stielwände. Für die tragenden Innenwände nutzten die Architekt*innen kalt gepresste Ziegel aus recyceltem Ziegelbruch. Bei den Außenwänden setzte man auf vorgefertigte B&O Bau-Systemwände aus Holzstielen und Holzrahmenelementen. Im Gegensatz zur Konstruktion bei Haus 4 kommen hier mehr Leim und zudem Gipsfaserplatten zum Einsatz. So könne man künftig Gebäudeklasse 5 anvisieren.

In diesem Sinne wollen Nagler und B&O Bau, bevor Haus 6 (mit Stampflehmwänden) ansteht, mit einem siebenstöckigen Gebäude in Richtung Hochhausgrenze gehen – „Bauen und schauen, ob's funktioniert", so Nagler.

Dieser Text basiert auf einem redaktionellen Beitrag von BauNetz Meldungen. 

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