Foto: Folke_Koebberling_Joanna_Pianka

Unterm Wolldach: Eine Skulptur im Schlosspark Grafenegg untersucht das Potenzial von Schafwolle als Baustoff

Published On: 17. Juni 2026

Schafschurwolle ist ein nachwachsender Rohstoff, der zu 100 Prozent recycelbar und wiederverwendbar ist – und er ist massenhaft vorhanden, da er in der hiesigen Textilproduktion kaum noch genutzt wird, Schafe jedoch regelmäßig geschoren werden müssen. Ließe sich dieses CO₂-neutrale Material nicht zum Bauen nutzen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Künstlerin Folke Köbberling, die als Professorin das Institut für Architekurbezogene Kunst an der TU Braunschweig leitet, schon seit Längerem. Für den Park von Schloss Grafenegg in Österreich, international bekannt als Veranstaltungsort für Kunst und Konzerte, hat sie nun eine begehbare Installation aus Schafwolle konzipiert, die für die nächsten zehn Jahre dort stehen und forschend begleitet werden soll.

Es geht darum, Wolle als vielseitigen Baustoff ins Bewusstsein zu rücken. Ebenso im Fokus steht die praktische Erprobung ihrer Eigenschaften: Sie ist temperatur- und feuchtigkeitsregulierend, schalldämmend und atmungsaktiv. Dank vieler Hohlräume absorbieren ihre Fasern Schallwellen, sodass eine warme, dämpfende Akustik entsteht. Durch das Wollfett Lanolin sind die Fasern außerdem wasserabweisend und können zugleich bis zu 30 Prozent ihres Gewichts an Feuchigkeit aufnehmen. So behält Wolle auch im nassen Zustand ihre Dämmfähigkeit und trägt zu einem angenehmen Raumklima bei – wärmend bei Kälte, kühlend bei Hitze.

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Köbberlings am 31. Mai 2026 eröffnete Skulptur „Wolldach“ greift die Form des weit verbreiteten Spitzdachs auf. Die für die Konstruktion verwendeten Materialien fand man direkt vor Ort. Für den Dachstuhl wurden Holzbalken weiterverwendet, die von der Sanierung der benachbarten Reitschule und dem darin befindlichen Rudolf-Buchbinder-Saal übrig waren. Der Lehmboden wurde aus der Verarbeitung des Aushubs für das Fundament gewonnen. Die Wolle schließlich stammt von im Schlosspark weidenden Schafen: Außen gibt die langfaserige Wolle von Zackelschafen dem Objekt ein archaisches Erscheinungsbild gibt, innen wurde während öffentlicher Workshops in aufwendiger Handarbeit die kurzfaserige Wolle von Southdown-Schafen eingearbeitet.

 

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