
Foto: Marcus Bredt
Vom Vieh zum Viertel: Umbau zum Stadtteilzentrum in Berlin von D/FORM
Auf dem Areal des Ritterguts Alt-Biesdorf im Berliner Osten hat die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land ein Quartier mit über 500 Wohnungen errichten lassen. Im Zentrum sanierte das Berliner Büro D/FORM drei denkmalgeschützte Wirtschaftsgebäude aus dem späten 19. Jahrhundert.
Der ehemalige Vierseithof entstand im frühen 19. Jahrhundert zunächst für landwirtschaftliche Zwecke und ging später in den Besitz wohlhabender Kaufleute über. Pferdestall und Heuspeicher wurden 1888, der Kuhstall 1902 als zweigeschossige Ziegelbauten errichtet. Nach der Wiedervereinigung trieb das Land Berlin den Wohnungsneubau auf dem landeseigenen Gelände voran. Ein Masterplan der ioo Architekten sah den Erhalt der Altbauten vor; die Neubauten realisierte Kondor Wessels bis 2021 als Generalübernehmer. D/FORM qualifizierte sich 2019 über ein VgV-Verfahren für die Sanierung.
Der Pferdestall mit Heuspeicher soll künftig ein Stadtteilzentrum mit Kreativwerkstätten beherbergen, der Kuhstall zwölf Gewerbeeinheiten. Bei der Sanierung wurden statisch wirksame Bauteile wie die Kappendecken und gusseisernen Stützen freigelegt und aufgearbeitet. Um die Fassaden im Originalzustand zu belassen, verbesserten Dämmputz und Wandheizungen im Inneren den U-Wert. Am Pferdestall blieb Kratzputz aus der Nachkriegszeit als historische Schicht erhalten, bauzeitliche Fenster wurden überwiegend restauriert und um innenliegende Flügel ergänzt. Für die Barrierefreiheit vergrößerte man einzelne Öffnungen im Kuhstall.
Auffälligster Eingriff ist ein langgestreckter Dachreiter mit Oberlichtern auf dem Kuhstall – typologisch eine Rekonstruktion des Zustands von 1902. Während das Stadtteilzentrum im Kiez gut angenommen wird, fehlen für die Gewerbeflächen laut Lokalpresse bislang langfristige Mieter.
Dieser Text basiert auf einem redaktionellen Beitrag von BauNetz Meldungen.

