
Foto: Simon Burko
Totgesagte Bauernhäuser leben länger: Sanierung von Maximilian Hartinger Architekt
In Tiefenbach bei Passau hat das Büro Maximilian Hartinger Architekt ein über 400 Jahre altes Bauernhaus saniert, das mehrere Fachleute zuvor als verloren erklärt hatten. Für das Projekt erhielt das Büro den BDA-Preis max40.
Das Haus stand nach dem Auszug der letzten Bewohnerin – der Großmutter der Eigentümerfamilie – vor dem endgültigen Verfall. Wasserschäden, Fäulnis und eine mangelhafte Gründung schienen das Aus zu besiegeln. Erst das Engagement der eingeheirateten Schwiegertochter führte zu einer erneuten Begutachtung. Eine dendrochronologische Untersuchung datierte den Bau auf das Jahr 1601 und legte eine vielschichtige Baugeschichte offen.
Um 1800 war ein Teil des ursprünglichen Blockbaus im Erdgeschoss durch Mauerwerk ersetzt worden. Für die Region durchaus üblich, doch die Gründung blieb unzureichend. Das Gebäude sackte talseitig um rund einen halben Meter ab. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Dach angehoben, was zusätzlichen Raum schaffen sollte, aber zu weiteren Verformungen führte. Bauherrschaft und Architekt entschieden sich, diesen Eingriff nicht rückgängig zu machen, sondern als Teil der Baugeschichte zu akzeptieren.
Statt den Bau in den vermeintlichen Originalzustand zurückzuführen, setzt die Sanierung auf gezielte Reparatur und Ergänzung. Geschädigte Hölzer wurden millimetergenau ersetzt – das Material stammt größtenteils aus dem familieneigenen Wald. Lehmputze, Kaseinfarben und Schmiedearbeiten knüpfen an historische Techniken an. Zentraler Eingriff sind mehrere eingestellte Holzkörper im bestehenden Blockbau: Sie übernehmen statische Aufgaben, sorgen für Dämmung und Dichtung und reflektieren mit ihren hellen Oberflächen Licht in die dunklen Obergeschosse. Als eigenständige Elemente bleiben sie vom historischen Bestand klar ablesbar.
Dieser Text basiert auf einem redaktionellen Beitrag von BauNetz Meldungen.

