Plädoyer gegen Gebäudeabrisse: Deutsche Umwelthilfe bei Heinze und BauNetz

18. April 2023

Von Andrea Hackenberg

DUH-Referent Patrick Kohl (links) im Experten-Gespräch auf dem BAU-Messestand von Heinze und BauNetz

Für die konsequente Vermeidung von Gebäudeabrissen warb die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zum Auftakt der BAU-Messe am Stand von Heinze und BauNetz in München. „Es spart Müll und schont Ressourcen, wenn man Gebäude bewahrt, statt sie abzureißen“, so Patrick Kohl, Referent Energie & Klimaschutz bei der DUH.

Im deutschen Gebäudebestand mit etwa 21,4 Millionen Gebäuden sind tonnenweise Materialien verbaut, für deren Herstellung allein enorme Mengen an THG-Emissionen freigesetzt wurden. Wenn die Klimaziele im Gebäudesektor auch nur annähernd erreicht werden sollen, dürfen Abriss und Ersatzneubau nur der letztmögliche Weg sein, da durch jeden Neubau “graue Energie” und neue Emissionen entstehen, die das Klima und die Umwelt belasten. „Aus ökologischer Sicht ist es deshalb fast immer sinnvoll, ein Bestandsgebäude zu erhalten und energetisch zu sanieren, statt es für einen energieeffizienteren Neubau abzureißen“ so Kohl und verwies auf aktuelle Studien des Wuppertal Instituts: Demnach verursacht die energetische Sanierung eines typischen Mehrfamilienhauses nur halb so viele CO2-Emissionen wie ein Neubau, wenn man den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes berücksichtigt.

Jedes Jahr werden nach Angaben der DUH trotzdem tausende Gebäude in Deutschland abgerissen, ohne vorab die Auswirkungen auf Klima und Umwelt zu prüfen. Eigentümerinnen und Investoren könnten nach ihren individuellen und privaten Interessen ohne jegliche Genehmigung, Transparenz oder Prüfung entscheiden, ob ein Gebäude saniert oder abgerissen wird. „Es braucht dringend einen besseren rechtlichen Rahmen, um das Klima und die Umwelt sowie bezahlbaren Wohnraum vor willkürlichen Abrissen zu schützen“, so Kohl. Entscheidend sei in diesem Zusammenhang ein grundsätzliches Umdenken hin zur Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden. Durch die Verlängerung der Lebensdauer von bestehenden Gebäuden durch energetische Sanierungen, Umnutzungen oder Umbau könnten graue Energie, Emissionen, Rohstoffe und Bauabfälle eingespart werden und gleichzeitig baukulturelle Werte erhalten bleiben.

Während seines Vortrags am Stand von Heinze und BauNetz stellte Kohl die von der DUH erstellte „Negativliste der absurdesten Gebäudeabrisse“ vor, die derzeit fortgesetzt wird. Neben bekannten Abrissvorhaben wie dem Staudenhof in Potsdam-Mitte, die nicht mehr gestoppt werden können, waren auch Beispiele darunter, die Hoffnung machen. So prüft die Stadt München derzeit auf Drängen einer Bürgerinitiative, ob das eigentlich zum Abriss bestimmte Alte Justizzentrum“ in der Nymphenburger Straße in Wohnraum umgenutzt werden kann.

DUH-Referent Patrick Kohl im Gespräch mit Andrea Hackenberg (Heinze-Marketing) auf dem Grünen Sofa

Laut Kohl sind solche Pläne zu befürworten. „In der Umnutzung von Büro- und Verwaltungsgebäuden liegt ein Flächenpotential für bis zu 1,86 Millionen Wohnungen, bei Aufstockungen noch einmal bis zu 2,35 Millionen Wohnungen“, sagte er während seines Vortrags. Allerdings seien die Musterbauordnungen/Landesbauordnungen in erster Linie auf den Neubau ausgerichtet. Es brauche einfache und beschleunigte Genehmigungsverfahren für Bauen im Bestand, wie z.B. durch Wegfall Stellplatznachweis oder Flexibilisierung Abstandsflächen.

Um willkürliche und klimaschädliche Abrisse künftig zu verhindern, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ein Rechtsgutachten zur Umsetzung einer verpflichtenden Abrissgenehmigung veröffentlicht. Das Rechtsgutachten zeigt auf, dass eine allgemeine Genehmigungspflicht für Gebäudeabrisse gekoppelt mit einer Analyse der Umwelt- und Klimawirkungen möglich und von den Bundesländern direkt umsetzbar ist. Mit der Verankerung einer solchen Genehmigung in den Landesbauordnungen können die Länder einen unmittelbaren Beitrag zu Klima- und Ressourcenschutz leisten.

Im Dezember 2022 veröffentlichte die DUH außerdem eine Liste mit einer Auswahl von absurden Negativbeispielen drohender und vollzogener Abrisse, die durch Sanierung oder Umbau hätten verhindert werden können. Im Nachgang erreichten den Umwelt- und Verbraucherschutzverband eine Vielzahl an Hinweisen von Bürgerinnen und Bürgern zu Abrissvorhaben in ihrer Nähe. Um ein noch deutlicheres Bild des Abrisswahnsinns zu zeichnen und darüber weiter aufzuklären, ruft die DUH auf, weitere Hinweise zu kürzlich vollzogenen, sich im Vollzug befindenden oder anstehenden Gebäudeabrissen einzureichen. Diese können, im besten Fall mit eigenen Fotos und Informationen, an abrisse@duh.de gesendet werden.

Beitrag teilen: