
Mit einer Reichweite von bis zu 26 Metern und einer Druckgeschwindigkeit von bis zu 10 Zentimetern pro Sekunde entstehen direkt auf der Baustelle tragende Betonwände Schicht für Schicht. © Aleksej Keksel
Mobiler 3D-Betondruck: Effizienzsprung im Rohbau durch Systemintegration
Die Automatisierung auf der Baustelle erreicht eine neue Skalierungsstufe. In Weißenhorn wurde im Januar 2026 erstmals ein komplettes Kellergeschoss für ein Mehrfamilienhaus mit einem mobilen 3D-Betondrucker realisiert. Das Pilotprojekt demonstriert, wie die digitale Planung den Materialverbrauch senken und die Bauzeit im Rohbau signifikant verkürzen kann.
Präzision ohne Schalungsaufwand
Das eingesetzte Drucksystem basiert auf einem mobilen Großraum-Roboter, der innerhalb von nur 60 Minuten einsatzbereit ist. Mit einer Reichweite von bis zu 26 Metern setzt die Anlage digitale Entwurfsdaten millimetergenau um. Die tragenden Betonwände entstehen schichtweise mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 Zentimetern pro Sekunde. Ein wesentlicher Vorteil für die Bauwende: Durch den Wegfall konventioneller Schalungen wird der gesamte Bauprozess beschleunigt und der Verschnitt minimiert.

Erstmals weltweit wird ein Keller im mobilen 3D-Betondruckverfahren direkt auf der Baustelle realisiert. © Aleksej Keksel
Ressourceneffizienz und grüne Baustellenlogistik
Der ökologische Mehrwert dieses Verfahrens liegt im präzisen Materialauftrag. Es wird nur so viel Beton verwendet, wie statisch tatsächlich erforderlich ist, was die graue Energie des Bauwerks im Vergleich zu herkömmlichem Mauerwerk reduziert. Flankiert wird dieser Ansatz durch eine optimierte Energieversorgung vor Ort. Anstatt permanent laufender Dieselaggregate versorgt ein batteriebasierter Energiespeicher den Drucker bedarfsgerecht mit Strom. Dies führt nicht nur zu einer Reduktion der lokalen CO₂-Emissionen, sondern senkt auch die Lärmbelastung auf der Baustelle erheblich.
Materialanforderungen und integrierter Feuchtigkeitsschutz
Die technische Umsetzung erforderte einen spezialisierten Transportbeton der Festigkeitsklasse C25/30, der sowohl pumpfähig als auch sofort formstabil sein muss. Da Kellergeschosse im erdberührten Bereich besonderen Belastungen ausgesetzt sind, wurde auch die Abdichtung digitalisiert. Unmittelbar nach dem Druck wurde eine multifunktionale Bauwerksabdichtung im Spritzverfahren appliziert. Dieser automatisierte Auftrag gewährleistet eine nahtlose Schutzschicht auf der spezifischen Geometrie der gedruckten Wandflächen.

Remmers brachte seine langjährige Erfahrung in bauchemischen Produkten und reaktiver Bauwerksabdichtung ein. © Aleksej Kekse
Einordnung für die Planungspraxis
Das Projekt verdeutlicht, dass der 3D-Betondruck die Phase experimenteller Einzelstrukturen verlassen hat. Für die Planung bedeutet dies: Die Integration von Rohbau, Energieversorgung und Folgegewerken wie der Abdichtung in ein digitales Modell ermöglicht einen hochgetakteten, ressourceneffizienten Bauablauf.
Projektdaten & Partnernetzwerk
- Projekt: 3D-gedrucktes Kellergeschoss (Mehrfamilienhaus), Weißenhorn
- Bauausführung: Rupp Gebäudedruck GmbH
- Drucktechnologie: Instatiq GmbH (System: Instatiq P1)
- Betontechnologie: Heidelberg Materials Donau-Iller GmbH & Co. KG
- Bauwerksabdichtung: Remmers Gruppe SE (System: MB 2K)
- Maschinentechnik Abdichtung: INOTEC GmbH
- Energieversorgung: Liebherr (System: LPO 100)
- Fertigstellung: 2026
