Foto: Marcus Jacobs

Kommunikation ist alles – Stille Post war gestern

Published On: 28. November 2025

Was ist ein ESG-konformes Gebäude? Es ist erstaunlich, wie vielfältig die Antworten auf so eine Frage ausfallen. Oft werden Begriffe schlichtweg unterschiedlich interpretiert und somit führt es bereits schon zu Beginn zu ungewollten und unnötigen Schwierigkeiten. Kommunikation wird auch heute noch unterschätzt. Oft heißt es, dass man es schon immer so gemacht habe, oder es besteht ein sogenanntes Silo-Denken. Jeder arbeitet für sich in seiner Sparte und dadurch läuft nichts zusammen.

Dazu lädt die Lindner Group zum Thementalk „Kommunikation ist alles – Nachhaltigkeit in Sprache, Haltung und gegenseitigem Verständnis“ am 20. November auf dem Klimafestival 2025 in Berlin ein. Moderiert wird die Gesprächsrunde von Julian Gaviria (Architekt und Head of Sustainable Transformation bei HPP) und Rebekka Pottgüter (Head of Communications/HPP Architekten). Weitere Teilnehmer*innen sind Michelle Pigulla (Managerin ESG & Business Excellence/Berlin Hyp), Marcel Gröpler (Fachbereichsleitung Nachhaltiges Bauen/Lindner Group), Philip Liebhold (Technische Projektentwicklung für zirkuläres Bauen/Sustina AG) und Christian Wrede (Tragwerksplaner & Experte im Bereich Nachhaltigkeit/Bollinger + Grohmann).

Nachhaltigkeit wird zwar oft diskutiert, doch die Umsetzung bleibt häufig hinter den Erwartungen zurück. Diese Paneldiskussion betrachtet aus verschiedenen Blickwinkeln, wie Kommunikation zum Motor für gemeinsames Handeln im Projekt werden kann. Der Architekt trägt dabei eine besondere Verantwortung zu Beginn eines Projekts Nachhaltigkeitsthemen zu sensibilisieren. Die Stakeholder-Gruppe ist vielfältig und besteht aus Bauherren, Finanzierern, Nutzern, Planern, ausführenden Unternehmen, Projektsteuerern, Herstellern, der Stadt sowie weiteren Akteuren. Wie lässt sich eine kommunikative Brücke zwischen all diesen Interessensgruppen schlagen, damit alle gemeinsam in der Umsetzung vorankommen und die Klimaziele erreichen?

Klare Zieldefinitionen notwendig

Der Prozess des Bauens ist sehr komplex. In einem Projekt sind es mindestens zehn Stakeholdergruppen und oftmals noch deutlich mehr. Deshalb ist es wichtig, dass die Zieldefinition für alle Seiten klar ist. Es geht auch darum, den Mehrwert für das zirkuläre Bauen zu vermitteln, sagt Philip Liebhold. „Der Architekt hat gewisse Bedenken, wenn wir von Zirkularität sprechen, weil in diesem Zusammenhang auch von Standardisierung gesprochen wird. Hier stellt sich für die Architekten dann die Frage, wo sein architektonischer Einfluss und sein Design bleiben“, ergänzt Julian Gavira. Hier müssen frühzeitig Ängste und Bedenken genommen werden und die Perspektive geöffnet werden. Herstellkosten und Designmöglichkeiten sind meistens auf die Ersterstellung gerichtet und mit der Zirkularität soll die Perspektive auf die Zweit- und Drittnutzung gelenkt werden. Liebhold gibt zu bedenken, dass auch die soziale Komponente der Nachhaltigkeit nicht vergessen werden dürfe.

„Finanzierer müssen viel früher in die Projektplanung einbezogen werden“

Christian Wrede spricht ein weiteres Problem an. Oft kämen Bauherren mit einem riesigen Nachhaltigkeitskonzept an, aber nur wenig Messbares sei dahinter. Für Michelle Pigulla beginnt es schon mit dem Zeitpunkt der Finanzierung. Die Banken werden zumeist erst miteinbezogen, wenn die Planungen bereits abgeschlossen sind. Es gingen zwischenzeitlich Informationen verloren oder würden zu so einem späten Zeitpunkt teilweise in anderer Form vorliegen. Themen wie zirkuläres Bauen, Biodiversitätsmaßnahmen usw. werden aktuell noch gar nicht berücksichtigt. „Wir müssen hier noch viel mehr Informationen einholen, um eigentlich ein holistisches Bild der ESG-Performance einer Immobilie bewerten zu können“, fordert Pigulla.

Zieldefinitionen werden nicht immer eingehalten

Die nachhaltigste Lösung ist bekanntlich nicht immer die wirtschaftlichste. Daher kommt es öfter in der Leistungsphase 2 vor, dass die Kostenschätzung des Objektplaners dem Bauherrn dann doch zu teuer ist und kurzfristig eine ganz andere Lösung gewählt wird, beklagt Wrede. Hier sollten doch im Wesentlichen die vereinbarten Bedingungen eingehalten werden. Rebecca Pottgüter fasst die wichtigen Dinge noch einmal zusammen. Ein zentrales Thema sei die Messbarkeit. Also konkrete und messbare Ziele zu schaffen, um zwischen allen Beteiligten eine kommunikative Basis zu schaffen. Im Prozess, um nachhaltige Ziele zu schaffen, müsse man die Motivation unbedingt hochhalten. Der dritte wichtige Punkt sei, dass man sich konkret an Lösungen orientieren könne. Marcel Gröpler fügt noch hinzu, dass der Ansatz schon schwierig sei, denn Nachhaltigkeit und Kosten würden immer gegeneinandergesetzt. Nachhaltigkeit würde somit immer als teuer empfunden und Ängste schüren. Als Hersteller sei es wichtig, die Kosten transparent zu machen. Nicht nur die Herstellungskosten, sondern auch die Folgekosten müssten berücksichtigt werden, damit aus einer wirklichen Nachhaltigkeit auch das Günstigste werde.

Kommunikation ist mehr als ein Mittel zum Zweck

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle nach vorne schauen und lösungsorientiert denken sollten. Dabei ist es wichtig, die Banken und Finanzierer mitzunehmen, damit diese eine faire und genaue Bewertung vornehmen können. Oft geht mehr, als üblich angenommen wird. Eine weitere Hürde meistert man, wenn man mit den richtigen oder allen Stakeholdern verständlich kommuniziert. Letztlich gehört auch immer eine Portion Mut bei den Entscheidungen dazu. Marcel Gröpler führt exemplarisch ein Projekt an, bei dem es ursprünglich viele Vorbehalte gegeben hat. Es wäre viel zu teuer und technisch nicht umsetzbar. Vier Monate später ging es eben doch. Der Gedanke daran, was machbar ist, zählt mehr als das, was nicht machbar ist. Um diese Haltung zur Nachhaltigkeit zu stärken, ist Kommunikation der Schlüssel für Veränderungen und von grundlegender Bedeutung.

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