EPDs verstehen und vergleichen

Andrea Hackenberg

29. März 2023

Credit: Canva

Der EPD-Analyzer von brands & values will Hersteller und ArchitektInnen im Umgang mit Environmental Product Declarations (EPDs) autark und fit machen: Das Tool stellt den unmittelbaren Vergleich von Bauprodukten in Aussicht. Wie das geht, erklärt Geschäftsführer Tobias Brinkmann im Interview.

 

Herr Brinkmann, Environmental Product Declarations (EPDs) gelten als hochwissenschaftlich, komplex und schwer zu verstehen. Würden Sie das unterschreiben?

Tobias Brinkmann: Ich weiß, dass EPDs dieses Image haben. Wir haben vor fünf Jahren eine Stakeholder-Befragung bei Herstellern, Programmbetreibern, Consultants durchgeführt. Das Ergebnis war, dass die meisten grundsätzlich zufrieden mit dem EPD-System sind. Gleichzeitig aber kamen viele Hersteller in der Praxis nicht mit dem Format zurecht. Es gab bei vielen Unternehmen einen großen Bedarf, zu lernen, damit umzugehen.

Und Ihre Antwort darauf war?

Tobias Brinkmann: Wir haben mit dem EPD-Analyzer ein Tool entwickelt, das den Herstellern hilft, die EPDs besser zu verstehen und sie in die Lage versetzt, ihre Produkte mit anderen zu vergleichen. Dazu wollen wir die NutzerInnen ausdrücklich ermutigen, denn vor EPDs braucht man wirklich keine Angst zu haben.

Tobias Brinkmann, Geschäftsführer bei brands & values in Bremen

Aber EPDs sind doch eigentlich gar nicht auf eine isolierte Betrachtung von Bauprodukten ausgelegt? Heißt es nicht immer, dass eine EPD lediglich Auskunft darüber gibt, was ein Produkt innerhalb eines Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus hinweg leistet?

Brinkmann: Das muss man differenzierter betrachten. Zunächst wird in einer EPD die umweltrelevante Leistung eines bestimmten Produktes quantitativ abgebildet und kann isoliert über den Lebensweg des Produktes betrachtet werden. Aber bei einem Produktvergleich müssen verschiedene Rahmenbedingungen, u.a. der Gebäudekontext, berücksichtigt werden. Wenn diese erfüllt sind, können Bauprodukte miteinander verglichen werden. Dabei ist wichtig zu betonen, dass Hersteller ökologische Produktvergleiche nicht ohne weiteres für die öffentliche Kommunikation nutzen dürfen. Die Vergleiche sollen dazu dienen, Produkte mit einer verbesserten ökologischen Performance herzustellen – durch interne Erkenntnisgewinne!

Wie genau ermöglicht der EPD-Analyzer den Vergleich von Bauprodukten?

Brinkmann: Wir haben in den Analyzer eine Systematik integriert, die so vorgeht, wie ich selbst als Experte die EPDs miteinander vergleichen würde. Diese weist die AnwenderInnen zum Beispiel darauf hin: Hier sind zwei Bauprodukte mit unterschiedlich deklarierten Einheiten und abweichenden Produktkategorie-Regeln. Ziel ist es, durch den Einsatz des Analyzers einen Kompetenzaufbau beim Unternehmen selbst zu erreichen. Dies wird durch Visualisierung und Erläuterungen der Ergebnisse von EPDs und Bauteilen unterstützt.

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Warum sollte sich ein Hersteller gut mit EPDs auskennen?

Brinkmann: Weil ihm sonst wirtschaftliche Nachteile entstehen können. Zwar sind EPDs aktuell noch nicht gesetzlich vorgeschrieben, sie werden allerdings u.a. in vielen Ausschreibungen gefordert, um zum Beispiel Zertifizierungssysteme wie DGNB, LEED, BREEAM und HQE zu unterstützen. Auch das DGNB Navigator Label bekommt man nur, wenn man eine EPD vorweisen kann.

Wie können ArchitektInnen von dem EPD-Analyzer profitieren?

Brinkmann: ArchitektInnen und PlanerInnen können mit unserem EPD-Analyzer u.a. rechnen, vergleichen und Bauteile erstellen. Auch gibt es eine Schnittstelle zur ÖKOBAUDAT. Wie auch bei den Herstellern, soll der EPD-Analyzer den ArchitektInnen das Thema EPDs näherbringen und sie dabei unterstützen, die ökologische Gebäudebilanz zu optimieren.

Der EPD-Analyzer ist kostenpflichtig. Lohnt sich die Investition?

Brinkmann: Ja, wer sich selbst überzeugen möchte, kann den Analyzer bis Ende April kostenfrei testen: Wir erstellen gerade ein Update unseres Tools für die EN 15804+A2. So lange das noch nicht aufgespielt ist, kann man die bisherige Version unverbindlich ausprobieren: www.epd-analyzer.com

Herr Brinkmann, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Tobias Brinkmann ist Geschäftsführer und Leiter Team LCA/EPD bei der Nachhaltigkeitsberatung brands & values in Bremen. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich Ökobilanzierung und EPD-Erstellung.

Am Dienstag, 18. April, ist Tobias Brinkmann zu Gast am Messestand von BauNetz und Heinze auf der BAU in München. In einem Impulsvortrag stellt er den EPD-Analyzer vor, anschließend gibt es eine Fragerunde auf dem Grünen Sofa. Beginn ist um 16 Uhr an Stand EW08, Eingang West.

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