Foto: Ingo Rasp

Kantonspolizei als Sonnenfänger: Verkehrsstützpunkt in Chur von Comamala Ismail Architectes

Published On: 19. Februar 2026

Hier fängt die Polizei die Sonne ein. Was wie ein Demonstrationsbau eines Photovoltaik-Herstellers wirkt, ist der neue Verkehrsstützpunkt der Kantonspolizei in Chur. Die Bauherrschaft des Kantons Graubünden wünschte ein Netto-Null-Gebäude. Comamala Ismail Architectes (Delémont/Biel) entwickelten ihren Entwurf entsprechend reduziert: ein kompakter Würfel mit vier oberirdischen Geschossen auf rund 2.700 Quadratmetern Bruttogrundfläche. Seine auskragenden PV-Elemente lassen den Bau aber fast wie eine Pagode wirken.

Für einen Verkehrsstützpunkt liegt der Bauplatz direkt an der Autobahn ideal. Den Großteil der länglichen Parzelle am westlichen Stadtrand widmeten die Architekt:innen Parkplätzen und Manövrierflächen. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme belaufen sich auf rund 10,7 Millionen Euro (BKP 1–9).

Trotz seiner Holzfassade besteht die Konstruktion aus Stahlbeton. Für dessen Herstellung ließen die Architekt:innen Rheinschotter aus dem Baugrubenaushub verwenden. Generell achteten Comamala Ismail auf minimierten Materialeinsatz: möglichst wenige tragende Bauteile, unverkleideter Beton, auf Putz geführte Installationen. In Zusammenarbeit mit den Fachplaner*innen konnten zudem die Anforderungen an die Dichtigkeit der Betonwände reduziert und so Bewehrung eingespart werden.

Foto: Ingo Rasp

Ziel war die Zertifizierung nach Minergie-A-Eco. Nichttragende Trennwände und Ausfachungen bestehen aus ungebrannten Lehmsteinen, was das Raumklima und zusammen mit Deckensegeln und Vorhängen die Akustik verbessert. Insgesamt konnten so rund 60 Prozent Treibhausgasemissionen eingespart werden.

Netto-Null erfordert jedoch auch Energieüberschüsse: Die PV-Module an Fassade und Dach erzeugen jährlich über 100 Megawattstunden – viermal mehr, als der Betrieb benötigt. Die Amortisierung der grauen Energie wird bis 2050 erwartet. Auskragende Furnierschichtholzknaggen tragen die rahmenlosen PV-Elemente, die gleichzeitig als Low-Tech-Sonnenschutz dienen und das Gebäude als eine Art Kraftwerk kommunizieren.

Dieser Text basiert auf einem redaktionellen Beitrag von BauNetz Meldungen.

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