Gebäude klimaneutral bauen und betreiben

27. November 2023

Dr. Stephan Anders im DGNB-Workshop. Foto: Hollenberg

Von Stefan Hollenberg

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) lud auf dem Klimafestival zum Workshop „Ökobilanz von Gebäuden“ ein. Die zentrale Frage war, ob sich Gebäude klimaneutral bauen und betreiben lassen. Dr. Stephan Anders (Abteilungsleiter Netzwerk und Beratung, DGNB) stellte klar: Es geht – auch im Bestand. Der Schlüssel hierzu sei ein frühzeitiges Life Cycle Assessment (LCA): eine analytische Betrachtung der Ökobilanz alternativer Planungsansätze über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg und unter Einbezug der grauen Energie. Im zweiten Teil zeigte Dr. Samuel Ebert (COO, CAALA) den gut 70 Teilnehmer:innen, wie sich bereits sehr früh im Planungsprozess alternative Ökobilanzen simulieren und vergleichen lassen – mittels der CAALA Software und basierend auf den Daten aus der Ökobilanzdatenbank „oekobaudat.de“.  

Betrachte man den gesamten Gebäudelebenszyklus inklusive der Energie zur Erzeugung und Bereitstellung aller Gebäudekomponenten (graue Energie), sei ein Gebäude dann klimaneutral, wenn mehr Emissionen vermieden als erzeugt würden – so Dr. Stephan Anders. Mit dem Aktiv-Stadthaus in Frankfurt am Main zeigte er dazu gleich ein Beispiel. Bei diesem Projekt wird unter anderem über die gesamte Dachfläche via Photovoltaik Strom erzeugt und die Abwassertemperatur per Wärmepumpe für die Wärmegewinnung genutzt. Auch stellte Anders zwei Dinge klar:  Zum einen böte auch der Massivbau gute Alternativen. Es gelte, alle potentiellen Varianten entsprechend der angestrebten Grenzwerte (z.B. zur Erreichung einer KfW-Förderung) für die Ökobilanz analytisch zu betrachten. Zum anderen ginge es mit Neubau allein nicht. Es solle allen klar sein, dass man viel mehr im Bestand an der Klimaneutralität arbeiten müsse. Hier liege der größte Hebel, um etwas zu ändern. Unter dem Titel Bestandsgebäude in die Klimaneutralität führen bietet daher die DGNB eine Schulung an. Im Jahr 2024 findet diese gleich sechs Mal statt.

Mit CAALA ließe sich, über den Planungsprozess hinweg, die Umweltwirkung von Planungsentscheidungen veranschaulichen, so Dr. Samuel Ebert. Ebenso würden die für KfW-Förderung, Zertifizierungen und Nachhaltigkeitsreportings notwendigen Daten verlässlich und nachvollziehbar generiert. Die Nachhaltigkeitsanalyse sei dabei kein Ereignis, das nur einmal im Projekt vorkomme. Viel mehr ginge es darum, bereits ab früher Leistungsphase verschiedene Varianten simulieren und im Zielkorridor abbilden zu können. In einer perfekten Welt stünden hierfür alle Material- und Produktinformationen zur Verfügung – und lägen alle Berechnungen der Experten bereits vor. Tatsächlich sei dies aber gar nicht erforderlich – ja sogar der falsche Ansatz. Je später die Betrachtung vorgenommen werde, desto fortgeschrittener sei das Projekt – und wären richtungsweisende Entscheidungen bereits getroffen. Die Folge: weniger Spielraum für den Einbezug aller Optionen oder teure Umplanungen. CAALA greift auf Daten aus der Ökobilanzdatenbank „oekobaudat.de“ zurück. Auf dieser Basis sei eine Bewertung von alternativen Ansätzen bereits sehr früh möglich. Und gerade in diesen Phasen ginge es auch weniger um den exakten Wert, als vielmehr um die Vergleichbarkeit der Konzepte. CAALA sei damit eine Software, die planungsbegleitend dabei unterstütze, die hinsichtlich der klar formulierten Zielsetzung optimale Lösungen planen, argumentieren und letztendlich realisieren zu können. Gefühlt bräuchte man für dieses Vorgehen etwas Mut. Tatsächlich liege aber das Risiko eher darin, es nicht derart zu tun.

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