Prof. Dr. Timo Hartmann an einem Roboterarm. Mit dem Roboterarm wird erforscht, wie das Prinzip des Recyclings in der Bauwirtschaft verankert werden kann. Der Roboterarm steht in der Peter-Behrens-Halle der TU Berlin, einer weltweit einmaligen Versuchshalle. Foto Kevin Fuchs

Zu wertvoll für die Deponie

Published On: 22. Januar 2026

Kreislaufwirtschaft im Bauwesen: Digitale Werkzeuge und automatisierter Rückbau 

Die Bauwende erfordert neue Wege im Umgang mit Ressourcen. Europäische Gebäude werden im Schnitt nach etwa 40 Jahren abgerissen, und fast alle verbauten Materialien – von Türen über Leitungen bis zu Gipskartonplatten – landen auf Deponien oder werden bestenfalls für einfache Zwecke wiederverwertet. Abriss und Bauabfälle machen rund ein Viertel des europäischen Müllaufkommens aus. Vor diesem Hintergrund setzen Forschungsprojekte wie Reincarnate an: Ziel ist es, den Bausektor in Richtung Kreislaufwirtschaft zu transformieren. 

Materialtransparenz durch digitale Datenbanken 

Ein zentraler Ansatz ist die digitale Erfassung von Baustoffen. Bei RAGN SELLS wird eine Datenbank aufgebaut, in der Rohmaterialien aus Abrissprojekten systematisch dokumentiert werden. Die Technische Universität Berlin entwickelt darauf aufbauend KI-basierte Werkzeuge wie Reckonfields, mit denen sich Materialien analysieren und für neue Baustoffe weiterverwerten lassen. So werden Baustoffe sichtbar, die bislang ungenutzt auf Deponien landeten, und können frühzeitig in Planungsprozesse zurückgeführt werden. 

Mit diesem kleinen Roboterarm erforschen Prof. Dr. Timo Hartmann und sein Team, wie einglasige Fenster demontiert und zu mehrglasigen Fenstern wieder zusammengesetzt werden können. Foto Kevin Fuchs

Automatisierter Rückbau und hochwertige Wiederverwendung 

Neben der digitalen Ebene setzt das Projekt auf technische Innovationen. Bauteile wie Türen oder Fenster werden zerstörungsfrei ausgebaut, robotergestützte Verfahren ermöglichen die Kombination einfach verglaster Elemente zu leistungsfähigeren Produkten. Ziel ist eine Verlängerung der Lebensdauer von Materialien und Bauteilen sowie die Vermeidung von Downcycling, indem hochwertige Wiederverwendung im Vordergrund steht. 

Demonstrationen in der Praxis 

Die zehn im Projekt entwickelten Innovationen werden in zahlreichen Praxisprojekten getestet. Dazu gehören Sanierungen von öffentlichen Gebäuden, Rückbau von Bestandsbauten in den Niederlanden, automatische Gebäudeinspektionen in Hongkong und Abriss- sowie Neubauprojekte in Spanien. Diese Anwendungen liefern wertvolle Erkenntnisse über die Übertragbarkeit und Skalierbarkeit digitaler und automatisierter Kreislaufprozesse im Bausektor. 

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